Shell und bio-bean entwickeln B20 Kraftstoff aus Kaffeesatz

Londons Busse sind ab sofort mit Biodiesel aus Kaffeesatz unterwegs

Die roten Doppeldecker gehören zum Londoner Straßenbild einfach dazu. Seit Neustem tankt ein Teil der Busflotte nachhaltigen Bio-Kraftstoff, der in einer Kooperation der Konzerne Shell und bio-bean entwickelt wurde. Das Besondere daran: 20% Bio-Anteil aus Kaffeesatz. 

Sonst heißt es immer mit näselndem britischen Akzent „It’s Teatime“ – Jetzt aber trumpfen die Insulaner mit einer modernen Kraftstoff-Variante auf, die auf Kaffee basiert. Die Hersteller wagen damit ein Pilotprojekt, das bewusst in der Öffentlichkeit steht bzw. fährt. Mit dem Ziel weltweit emissionsärmere Energieversorgung voran zu treiben, trägt das neue Kraftstoff-Rezept ebenfalls zur Energiewende bei und ergänzt den Strom- und Wärmesektor mit einer innovativen Technologie für den Verkehrsbereich.

 

B20 – saubere und nachhaltige Alternative für Busse

Vor allem die Emissionen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) stellen in Metropolen ein immenses Problem dar. Verstopfte Straßen führen nicht selten zu mit Smog verstopfter Luft. Gesundheitsrisiken auf der einen Seite und schwindene Öl-Ressourcen auf der anderen Seite haben so (neben vielen anderen Innovationsprojekten) die Kampagne #makethefuture ins Leben gerufen. Initiator ist der Großkonzern Shell, der in Zusammenarbeit mit Bürgern und Prominenten nach Zukunftslösungen für weniger Emissionen bei der Energieversorgung sucht. Gesucht werden nicht nur Erfinder und Ingenieure, sondern nicht zuletzt finanzielle Beiträge.

Biodiesel mit der Kennzeichnung B20 gibt es schon länger. Dieser neue Kraftstoff auf Kaffeebasis entstand jedoch erst in gemeinschaftlicher Kooperation mit dem britischen Startup bio-bean. Das mehrfach prämierte Technologieunternehmen wandelt Kaffee-Reststoffe in Biokraftstoffe um. Zu den bisherigen Produkten zählen unter anderem Kaffeebriketts als alternative Brennstoffe für Öfen, Kamine sowie offene Feuerstellen, wobei die Briketts nicht nur nachhaltig sind, sondern sogar einen höheren Brennwert liefern als beispielsweise Holzpellets. B20 ist nun eine Weiterentwicklung bereits bewährter Verfahren und wird seit 3 Tage von einigen der Londoner Busse getestet. Diese müssen dafür noch nicht einmal umgerüstet werden, da der Kraftstoff problemlos mit den bereits verwendeten Verbrennungsmotoren kompatibel ist.

„Es ist ein großartiges Beispiel dafür, was getan werden kann, wenn wir beginnen, Reststoffe als ungenutzte Ressource neu zu definieren. Wir haben in Großbritannien angefangen, aber stellen Sie sich das Potenzial eines Landes wie Deutschland vor, in dem mehr als 61 Milliarden Tassen Kaffee pro Jahr getrunken werden. Wenn wir unseren Umgang mit Reststoffen ändern, können wir in Zukunft nachhaltigere Städte schaffen.“ so Arthur Kay, Gründer von bio-bean.

 

Warum ausgerechnet Kaffee?

Im Schnitt trinkt ein Londoner 2,3 Tassen Kaffe pro Tag, so die Statistik. Das wären hochgerechnet auf ein Jahr etwa 200.000 Tonnen Kaffeesatz. Lange wurden diese Reste als wertlos betrachtet und zusammen mit anderen Abfällen einfach verbrannt – wodurch sie natürlich nur weitere CO2-Emissionen verursacht haben. bio-bean sammelt den Kaffeesatz von großen Ketten ein bevor er im Müll landet und verwertet die Reste wieder. In einem speziellen Verfahren wird der Kaffeesatz getrocknet und zu Kaffeeöl extrahiert. Dies ist dann wiederum die Grundlage für so interessante Produkte wie Kaffeebriketts und Kaffeediesel.

Bislang wurden über 6.000 Liter des Öls hergestellt – als Komponente für B20 reicht dies, damit ein Doppeldecker ein ganzes Jahr lang durch London fahren könnte. Das besondere an der Kaffee-Komponente: Dadurch erreichen die Brennstoffe eine höhere Brenntemperatur und brennen länger, zum Beispiel im Vergleich zu Holz.

 

Aufmunterndes Potential für europäische Großstädte

Dass Kaffee ein guter Wachmacher ist, zeigt sich in diesem Fall wieder einmal besonders gut. Shell und bio-bean erhoffen sich von ihrem neuen B20 noch weitere Zusagen von Betrieben des ÖPNV. Es heißt also „Einsteigen, bitte“, denn das Interesse in Europa ist auf jeden Fall geweckt. Wer die Kaffeefahrt der Zukunft testen will, muss zur Zeit noch nach London pilgern, aber vielleicht gibt es den Kaffeediesel auch schon bald in Deutschland?

 

Bild: © Presse Shell

Posted by:

Ines Kupfer

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