Protestaktion gegen Kohleabbau im Hambacher Forst

Zehntausende Menschen reckten am vergangenen Samstag ihre Transparente und Fahnen in die Höhe, als es aus aller Munde hieß „Hambi bleibt!“ Die bislang deutschlandweit größte Demo gegen Kohleabbau brachte die Stimmung am Hambacher Forst auf Hochtouren.

Der Hambacher Forst: Einst ein nicht ganz unbeachtliches Areal von über 4000 Hektar – heute sind es noch 200. Er wird auch Die Bürge genannt und erstreckt sich nun mehr nur noch zwischen Köln und Aachen. Anlässlich der vom RWE-Konzern geplanten Abholzung entwickelte sich ein öffentlich breit aufgestellter Widerstand gegen die Umweltzerstörung und Klimaschädigung, die ein solches Projekt der Kohlewirtschaft unweigerlich hervorrufen würde.

Das ist noch übrig vom Hambacher Forst (Screenshot Google Maps 2018)

 

Anti-Kohlekraft-Bewegung am Hambacher Forst

„Hambi“ ist längst zum Inbegriff der Anti-Kohlekraft-Bewegung geworden, zum Symbol des bevorstehenden Kohleausstiegs und damit Teil der Energiewende. Dabei galt das Projekt lange Zeit als besiegelt. Offene Fragen und Kritik, Verbandsklagen vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie der immer lauter werdende Protest aus der Bevölkerung ließen das Thema in den vergangenen Wochen zu einem brisanten Spektakel in der Energiewirtschaft werden.

Der Hauptbetriebsplan des Tagebaus war eigentlich schon genehmigt: Die verbleibenden 200 Hektar sollten aus weniger als 100 abgeholzt werden, um dort Kohle abzubauen. Auf Grund des Brutschutzes war die Rodung erst auf Anfang Oktober gesetzt wurden. Eine erneute Klage vom BUND brachte nun den vorübergehend Rodungsstopp. Es solle zunächst geprüft werden, in wie weit der Wald die Kriterien eines europäischen Naturschutzgebietes erfülle. Am 05. Oktober wurde dieser Beschluss vom Oberverwaltungsgericht Münster bekannt gegeben. Seit dem ruhen die Arbeiten, bis für den Sachverhalt eine erneute Beurteilung vorliegt.

Der Beschluss ging mit der größten Demonstration gegen den Kohleabbau einher, den Deutschland je erlebt hat. Die Polizeigewerkschaft schätzt, diesbezüglich rund eine Million Arbeitsstunden in den vergangenen fünf Wochen geleistet zu haben. Dazu gehören vor allem die Räumungsaktionen der Baumhäuser, die von Demonstranten besetzt wurden waren.

 

Gefühlsachterbahn bei den Hambi-Demonstranten

Die auf den 06. Oktober angesetzte Demo lockte sage und schreibe rund 50.000 Teilnehmer an. 24 Stunden vor Start verhängte die Polizeidirektion plötzlich ein Demonstrationsverbot. Als Grund nannte man Sicherheitsbedenken. Einen besonderen Anlass dazu stellte unter anderem der tragische Tod des Journalisten Steffen Meyn dar. Dieser war nur wenige Wochen vorher von einer Hängebrücke zwischen den Bäumen gestürzt und erlag den schweren Verletzungen. Auch die Menschen vor Ort hatten seinen mutigen Einsatz nicht vergessen und gedachten ihm zu Ehren mit einer Schweigeminute.

Dann folgte kurzerhand der Gerichtsbeschluss zum Rodungsstopp und daraufhin auch die Aufhebung des Demonstrationsverbotes. Und so jubelten Zehntausende dem nahen Erfolg entgegen. Noch ist natürlich kein endgültiges Urteil getroffen: Der erneute Bewertungsbericht zum Hambacher Wald steht noch aus und im kommenden Sommer tagt der Bundestag zum Gesetz über den Kohleausstieg. Die Demonstranten jedenfalls – nun einmal beflügelt – haben sogleich für den 01. Dezember zur nächsten Großdemonstration aufgerufen. Anlässlich der internationalen Weltklimakonferenz sollen Protestaktionen in Köln und Berlin stattfinden.

 

Gegenangebot der Eucosia Öko-Suchmaschine

Mit einem Angebot über 1 Million Euro überraschten nur wenige Zeit später die Betreiber der Suchmaschine Ecosia. Das Unternehmen engagiert sich seit 2009 im Umweltschutz und bezeichnet sich selbst als Social Business. Durch den käuflichen Erwerb soll der Hambacher Forst eine zweite Chance bekommen. Bis 31. Oktober sei die Offerte gültig.

„Wir denken, dass so ein fairer Interessenausgleich zwischen RWE und der Bevölkerung gefunden werden kann, und verpflichten uns mit dem Kauf der Fläche, die ökologischen und gesellschaftlichen Interessen gemeinsam mit Organisationen zu verfolgen, die sich für den Schutz des Forsts eingesetzt haben und sich dem Naturschutz widmen“, schreibt Ecosia-Geschäftsführer Christian Kroll an Schmitz.

Das Fax dazu ging am Dienstag bei RWE ein. Laut Pressesprecher, werde RWE dazu weder Stellung nehmen, noch darauf reagieren. Das Angebot spreche für sich selbst. Eucosia jedoch hat weitere Unternehmen aufgerufen, sich an dem Deal zu beteiligen und die Summe zu erhöhen.

 

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Ines Kupfer

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