Energiewende rückwärts: Atomstrom-Tarif von Max Energy

Atomkraftwerk BiblisMit Atomstrom gegen den Klimawandel. Diese These klingt provokant, hat aber dem Augsburger Stromanbieter Max Energy schon in der ersten Woche, in der ein reiner Atomstrom-Tarif angeboten wird, 3.000 neue Kunden beschert. Energiewende rückwärts? Nein, keineswegs sagen die Macher, die mit ihrem Strom aus Kernernergie sogar für mehr Umweltschutz auf unserem Planeten sorgen wollen. Wie sie das schaffen wollen und welche Vorteile sie noch in dieser Art der Stromerzeugung ausgemacht haben wollen, das erklären wir ausführlich in diesem Artikel.

Was im ersten Moment doch ziemlich rückwärtsgewandt und paradox klingen mag, macht zumindest in den Augen der Firmenbosse beim Augsburger Stromanbieter Max Energy Sinn. Ihr neuer Atomstrom-Tarif sichert den Kunden zu 100 % Strom zu, der im Kernkraftwerk erzeugt wurde. Jan Pflug vom Maxstrom Ableger Maxatomstrom aus Augsburg sagte gegenüber dem Deutschlandfunk: „Es ist ja ein CO2-armer Stromtarif, und Sie können Ihre persönlichen CO2 Emissionen mit dem Tarif senken, und deshalb richtet er sich ganz klar an Menschen, die ökologisch orientiert sind und einen Beitrag leisten wollen zum Klimaschutz.“ Seit ein paar Tagen gibt es das Paket mit 100 Prozent Atomstrom und bislang hat das Unternehmen eigenen Angaben zufolge allein in der ersten Woche 3.000 Menschen von seinem neuen Angebot überzeugen und sie zu einem Vertragsabschluss bewegen können. Aber weil es in Deutschland nicht möglich ist, sich Strom als 100 Prozent Atomstrom zertifizieren zu lassen, kommt der von Max Energy gelieferte Strom übrigens aus der Schweiz und nicht aus der Bundesrepublik.

Als Hauptargument, diesen Atomstrom-Tarif überhaupt ins Portfolio aufzunehmen, dient dem Anbieter die Vorhersage, dass der Atomausstieg bis 2020 eben nicht klimapolitisch befriedigend geschafft werden könne. Die wegfallenden Kapazitäten der Atomkraftwerke wurden laut den Angaben des Unternehmens seit 2010 (41,5 % Anteil am Energiemix) mit noch mehr Kohlestrom (2013: 45,5 % Anteil am Energiemix) aufgefüllt. Noch nie zuvor wurden in Deutschland so viele Kohlekraftwerke gebaut und ans Netz genommen. Jan Pflug, der übrigens sogar Mitglied bei den Grünen ist, rechnet vor, dass eine Kilowattstunde Atomstrom die Umwelt mit nur 31 Gramm Kohlendioxid belastet. Durch die energieintensive Herstellung der Photovoltaikanlagen liegt dieser Wert für Solarstrom laut Max Energy sogar um das Drei- bis Vierfache höher und beim Kohlestrom wird die dreißigfache Menge CO2 emittiert.

Pflug führte weiter aus: „Das bringt natürlich unsere Klimabilanz ganz klar durcheinander. Die CO2 Emissionen sind jetzt wieder drastisch gestiegen in den letzten Jahren. Ich denke auch, dass wir das Potenzial der Kernenergie nicht verschenken sollten, wir hatten ja mal ein Drittel Kernenergie in Deutschland, und die erneuerbaren gehen jetzt auch stark auf die 33% Marke zu. Das heißt, wir hätten jetzt schon fast zwei Drittel CO2 armen Strom, wenn wir diese beiden Quellen zusammennehmen könnten. Kernenergie sollte aber unserer Meinung nach Teil des Mixes sein, denn es ist der einzige grundlastfähige Energieträger, den wir haben.“

Das Unternehmen ist nach eigener Auffassung also ganz und gar nicht gegen Strom aus Wasser, Wind und Sonne, aber im Sinne des Klimas sollte eben nicht auf den Atomstrom verzichtet werden. Unterstützung für diesen Ansatz kommt dabei sogar von einem der obersten Klimaschützer, Greenpeace Gründungsmitglied Patrick Moore. Er sagte laut Max Energy: „Kernenergie ist ohne Zweifel der effektivste Weg, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern.“ Seine Organisation wendet sich natürlich auch weiterhin strikt gegen Atomstrom, aber diese Aussage der Einzelperson Moore zeigt, wie gespalten die Umweltschützer bei diesem Thema sein können.

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