In Ruanda wird Methan aus einem See zu Strom

Methan_Kivu_See_2014_01Im kleinen ostafrikanischen Staat Ruanda will man das in den Tiefen vom Kivu-See enthaltene Methan zu Strom machen und somit die Stromversorgung des Landes stabilisieren. Mit seinen 2.400 km² ist dieser See vier Mal so groß wie der Bodensee und in Tiefen von bis zu 485 Metern lagern Schätzungen zufolge 60 Milliarden Kubikmeter Methan und 300 Milliarden Kubikmeter Kohlenstoffdioxid, die im Wasser gelöst sind. Wie genau aus dem Gas Strom werden soll, erklären wir in diesem Artikel.

Im Westen von Ruanda liegt der Kivu-See. Und dieser See birgt bislang noch einen Schatz, der enorm wichtig für die Stromversorgung der Bevölkerung in dem ostafrikanischen Land werden könnte: Methan. Das US-Unternehmen ContourGlobal will nun laut heise.de noch im September damit beginnen, das Gas in Strom zu verwandeln. Dafür begibt man sich auf Neuland, denn bisher hat noch nie jemand im großen Maßstab ausprobiert, in Wasser gelöstes Gas zu fördern und in Strom umzuwandeln – auch wenn man schon vor vierzig Jahren auf diese Idee gekommen war. Damals stand Ruanda noch unter der Kolonialherrschaft von Belgien und seit 1963 ersetzte eine vor Ort ansässige, von Belgien aus geführte Brauerei, 40 Jahre lang erfolgreich Heizöl durch das Methangas.

Die Ingenieure des Energieunternehmens haben jetzt die Anlage mit dem Namen „KivuWatt“ auf dem See installiert. Von ihr aus stechen Rohre mehrere hundert Meter tief hinab in den See und zapfen die Methanlagerstätte an. Vom Druck der Wassermassen befreit schießt das Gasgemisch dann nach oben zur Plattform, wo es aufgefangen wird. Nach der Trennung von CO2 und Methan wird das gereinigte Methan durch eine Pipeline an Land gepumpt und dort in einem Gaskraftwerk verstromt. In der ersten Phase will man 25 Megawatt in das ruandische Stromnetz einspeisen. In Phase Zwei sollen es dann 75 Megawatt sein. Theoretisch sollte die unter Wasser gespeicherte Gasmenge ausreichen, um 55 Jahre lang 700 Megawatt zu liefern. Wenn man bedenkt, dass laut einer Erhebung von vor zwei Jahren nur 16 % der Haushalte dieses Landes über einen Stromanschluss verfügten, wird klar, dass diese arme, aber wirtschaftlich doch aufstrebende Nation den Strom aus dem See bitter nötig haben dürfte, um den Fortschritt im Land zu fördern.

Die Methode klingt simpel, ist aber nicht ganz ungefährlich. Das Gas-Wasser-Gleichgewicht könnte gestört werden, was den unkontrollierten Austritt von Kohlenstoffdioxid zur Folge haben könnte. 1986 kam es im geologisch sehr ähnlichen Nyos-See in Kamerun zu einem massenhaften Austritt dieses Gases, bei dem 1.700 Menschen ihr Leben verloren. Wie hoch das Gefährdungspotential am Kuvi-See für eine solche Katastrophe ist, darüber gehen die Meinungen der Experten weit auseinander. Trotzdem soll der Startschuss für dieses Vorhaben laut dem zuständigen Minister für Infrastruktur noch im September fallen. Ob dieses Datum aber tatsächlich gehalten werden kann, darf angezweifelt werden. Ein Mitarbeiter des US-Konzerns, der lieber anonym bleiben wollte, sagte jetzt, dass er frühestens im November von einer Inbetriebnahme ausgeht. Bis dahin bleibt wohl offen, ob diese Technologie im großen Maßstab funktionieren kann und wie sich das Risiko eines tödlichen Gasausbruchs durch die Methanentnahme weiter entwickelt.

Bilder: © ContourGlobal

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