Wenn der Verbraucher die Qual der Wahl hat

Birne

(c) Jupiterimages / Applestock 2009

Ohne Frage gibt es, in Sachen Erneuerbarer Energien, Gewinner wie auch Verlierer. Letztere sind meist die ganz „normalen“ Stromkunden, die – unter anderem -, die Renditen der Hausbesitzer, die sich im großen Stil Photovoltaik-Anlagen aufs Dach packen, mitbezahlen (müssen) …
Dennoch hat, in diesem Dschungel aus Befindlichkeiten und Interessen, natürlich jedermann seine eigene Sicht der Dinge, und so wird, in verschiedenen Portalen, bereits gefragt, wen Freunde der Erneuerbaren Energien denn nun wählen könnten oder sollten. Denn FDP-Spitzenkandidat Brüderle wolle das EEG, weltweit das erfolgreichste Gesetz zur raschen Einführung der erneuerbaren Energien, gar abschaffen.
Tatsächlich scheint das Thema Ökostrom die graue Eminenz der FDP derzeit besonders zu interessieren: „Brüderle fordert Sofortstopp aller Ökostrom-Subventionen“, titelte  wirtschaft.com bereits im Juni. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz gehöre grundlegend reformiert. Und: „Bis dahin sollten ab sofort keine neuen Windräder und Solaranlagen mehr ans Netz gelassen werden“, zitierte man hier ein Brüderle-Interview in der „Rheinischen Post“.
Und auch jetzt, in der heißen Phase des Wahlkampfs, soll sich Rainer Brüderle erneut mit diesem seinem Lieblingsthema befasst und dem Ökostrom gar einen „Förderwahnsinn“ unterstellt haben. Was Spiegel-Kommentator Alexander Neubacher dann doch sehr verwundert hat. Der nämlich unterstellt den Freien Demokraten ein doppeltes Spiel und sieht eine erstaunliche Nähe zwischen den FDP-Frontmännern auf der einen und der Ökostrom-Lobby auf der anderen Seite.
Tatsächlich seien die Betreiber von Solardächern, Windrädern und Biogasanlagen von der schwarz-gelben Koalition gefördert und unterstützt worden. Unter anderem benennt Neubacher in diesem Zusammenhang die Umlage zur Förderung der Erneuerbaren Energien, die in den vergangenen vier Jahren von 1,13 Cent je Kilowattstunde auf 5,3 Cent anstieg. Auch pflege zum Beispiel Außenminister Guido Westerwelle (gute) Kontakte zur Solarbranche … wie dem auch sei, dass die Preise aus dem Ruder laufen und vor allem sozial schwächer gestellte Haushalte am Rande ihrer Möglichkeiten angelangt sind, steht ohne Frage.
Brüderles Brandrede, anfangs habe man den Verbrauchern versprochen, die Energiewende koste sie gerade mal so viel wie eine Kugel Eis im Monat, ist also, im Kern, mehr als berechtigt. Auch ein Leser-Kommentar im Focus prangert daher die ausufernde Förderpraxis an: „In unserem Ort wurden von Mittelständlern Dächer gebaut, die einfach auf 4 senkrechte Balken aufgesetzt wurden, ohne Wände, nur um die ca. 45 ct/kWh abzugreifen“, beklagt man hier eine Umverteilung von unten nach oben.
Auch erf.de, der Sender für ein ganzes Leben, widmete Armut, die durch die steigenden Strompreise kreiert wird: Ja, die Energiewende in Deutschland sei nötig. Doch die koste Geld und werde für viele zunehmend zu einem Problem: „Immer mehr einkommensschwache Haushalte können sich den Strom aus der Steckdose nicht mehr leisten!“
Das bestätigt  auch der NDR. Denn auch in Hamburg können sich offenbar immer mehr Kunden ihre Strom- oder Gaslieferungen nicht mehr leisten. Das gehe aus einer Antwort des Senats auf eine Anfrage der Linken hervor: „In 8.500 Hamburger Haushalten ist im vergangenen Jahr der Strom abgeschaltet worden, weil die Bewohner den Energiekonzernen Geld geschuldet und nicht auf Mahnungen reagiert hatten!“
Die Aufgabe, die Energiewende sozialverträglich zu gestalten, wird die kommende Regierung (ganz gleich, von wem die letztendlich gestellt wird) also vor große und womöglich auch unpopuläre (denn irgendjemand, und sei es eine Lobby, wird bestimmt unzufrieden sein) Herausforderungen stellen.
Strom wird immer teurer, und die Energiewende kostet uns längst mehr als die viel zitierte Eiskugel!

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