Fünf Jahre nach Fukushima: 68 Prozent der Deutschen wollen einen europäischen Atomausstieg

Auf den Tag genau vor fünf Jahren bebte vor Fukushima die Erde und ein Tsunami sorgte für einen Super-GAU im Atomkraftwerk. Was ist seitdem mit der Atomkraft und der Energiewende geschehen? Und wie geht es weiter? Eine repräsentative Studie von Emnid im Auftrag von Greenpeace Energy förderte jetzt zu Tage, dass 68 Prozent der Deutschen einen europäischen Atomausstieg wollen. Allerdings könnten Kraftwerksneubauten und Subventionen in unseren Nachbarländern die Abkehr von der Energieerzeugung mit der Kernkraft in Deutschland gefährden.

Fünf Jahre nach Fukushima hat sich die Lage für die westeuropäischen Atomkonzerne drastisch verschlechtert, denn Materialpannen und verschleierte Skandale wie jüngst im französischen Fessenheim oder in belgischen AKWs verzögern die Projekte und Atomriesen wie EDF, hier drückt eine Schuldenlast von 37 Milliarden Euro, und Areva in Frankreich sowie RWE und Eon in Deutschland machen massive Verluste. Und dennoch werden auch nach dieser Katastrophe immer noch neue Atomkraftwerke geplant. EDF als weltgrößter Betreiber von Atomkraftwerken, plant für 24 Milliarden Euro zwei neue Atomkraftwerke in Großbritannien. Für das umstrittene AKW Hinkley Point C rechnen Finanzexperten trotz massiver staatlicher Subventionen mit einem finanziellen Desaster. Der Neubau anderer EDF-Reaktoren, wie der des Blocks in Flamanville in der Normandie, hängt weit hinter dem Zeitplan oder wird wie das AKW Olkiluoto in Finnland massiv teurer. Hier sind nun statt der geplanten 3 Milliarden Euro inzwischen etwa 8,5 Milliarden Euro an Kosten aufgelaufen.

Weltweit geht der Trend aber gegen die Atomkraft. Billiges „Fracking“-Gas in den USA sorgt für eine Verdrängung von Atomstrom vom Markt. Zudem ist dort nach dem Überstehen der Wirtschaftskrise 2008 der Energiebedarf nicht wieder in dem erhofften Maß angestiegen. Ein weiterer Grund für den Rückzug der Atommeiler: Seit Jahren fallen die Preise für Wind- und Solarstrom stark, so dass sie sich locker gegen den Atomstrom durchsetzen können. Die Vorteile der Erneuerbaren liegen eben im geringen Preis, im einfachen Bau dieser Anlagen, in der guten Beherrschbarkeit und darin, dass man sich damit bei der Technik und den Rohstoffen nicht vom Ausland abhängig macht.

Und so fordern nun 68 Prozent der Deutschen, die Bundesregierung sollte auf Länder wie Polen, Tschechien, die Slowakei und Ungarn einwirken, damit sie keine neuen Atomkraftwerke bauen. Laut dem Greenpeace Magazin wurde auch die politische Ausrichtung der Befragten untersucht. Bei den Grünen fordern sogar 85 % der Studienteilnehmer eine stärkere Einmischung der deutschen Regierung. Unter den Wählern von CDU/CSU waren auch immerhin noch 81 % dieser Meinung und bei den SPD-Wählern waren es noch 76 % die es gerne sehen würden, wenn Angela Merkel europaweit deutlicher für ein Ende der Atomkraft werben würde.

Sönke Tangermann, Vorstand bei Greenpeace Energy, erläuterte, warum es den Atomausstieg in Deutschland gefährden würde, wenn die europäischen Nachbarn nicht mitziehen: „Durch die enge Vernetzung der Energiemärkte dürfte das deutliche negative Auswirkungen auf Deutschland und die erneuerbaren Energien hierzulande haben.“ Das Problem sind seiner Meinung nach vor allem die hochsubventionierten AKWs, etwa in den osteuropäischen Ländern, die mit ihren Stromimporten in den deutschen Markt drängen und dort den Wettbewerb verzerren würden. Auch die Verbraucher würden „mit dreistelligen Millionenbeträgen pro Jahr“ belastet. Deswegen fordert der Ökostromanbieter Greenpeace Energy jetzt auch in einer Online-Petition von der Bundesregierung, „die deutsche Energiewende und den Atomausstieg jetzt unbedingt auf europäischer Ebene zu verteidigen.“

Bilder: © bilderheld, Flickr

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