Revolutionäre Windkraft-Technik: Neue Offshore-Windparks ohne feste Fundamente

Wie bringt man Windkraft-Technik auch in tiefe Gewässerregionen, ohne hierbei extrem tief bohren zu müssen? Diese Frage stellen sich seit einiger Zeit ein paar Unternehmen, die neue Offshore-Windparks ohne feste Fundamente errichten wollen. Denn die bisher angewandte Technologie für diese Art von Ökostrom hat einige entscheidende Nachteile, die man jetzt auszugleichen versucht. Einige Pilotanlagen vor den Küsten Norwegens und Portugals stehen schon. Bald soll eine Anlage vor der deutschen Ostseeküste folgen. Wir fassen für diesen Artikel die aktuellen Entwicklungen der revolutionären Technologie einmal zusammen.

An Land sind Windräder nicht immer gerne gesehen, also stellt man sie oft auch vor die Küste ins Wasser. Aber auch dort treten Probleme auf, die man jetzt mit neuer, revolutionärer Windkraft-Technik lösen möchte. Denn bisher war es nötig, schwere Fundamente für neue Offshore-Windparks in den Boden zu rammen. Das ist teuer und zudem schädlich für die Tiere wie zum Beispiel die Schweinswale. Schwimmende Windkraft-Anlagen sollen dieses Problem in naher Zukunft beseitigen.

Das Problem soll mit schwimmenden Fundamenten gelöst werden. Das Dresdner Unternehmen Gicon hat zusammen mit BALTIC Taucher und mit Wissenschaftlern der Unis Freiberg und Rostock eine schwimmende Boje konstruiert, auf der das Windrad im Wasser steht. Diese Konstruktion ist über lange Seile mit einem schwimmenden Fundament am Meeresboden verbunden. Das bewirkt, dass dieses Konstrukt zugleich flexibel und auch stabil ist. Bei starken Winden sowie hohen Wellen können sich die schwimmenden Windräder dann auch neigen und sind nicht ständig der vollen Wucht der Wellen ausgesetzt. Frank Adam von der Unternehmensgruppe Gicon sagte über die neue Entwicklung: „Die Besonderheit unserer Technologie ist die Verankerung. Durch Seile, neben vertikalen auch geneigte, ist das von der Stabilität festen Gründungen ähnlich.“

Das auf dem ersten schwimmenden Offshore-Fundament (GICON®-SOF) installierte Windrad bringt eine Leistung von 2.300 kW und soll in den kommende Monaten ans Netz angeschlossen werden. Es gibt aber auch schon Anlagen, die Strom produzieren. Sie stehen beispielsweise vor den Küsten Norwegens, Portugals und Japans. Allerdings sind das jeweils nur einzelne Windräder. Hingegen plant der Konzern Statoil einen Windpark, wenn auch vorerst nur einen kleinen, vor der schottischen Küste. Dort sollen fünf Windräder aufgestellt und an dem schwimmenden Fundament verankert werden. Das Bohren und Hämmern der festen Fundamente für eine dauerhafte Verankerung im Meeresgrund entfällt bei der neuen Technologie, weshalb auch Tiere wie Schweinswale zukünftig nicht mehr so stark in ihrem Lebensraum beeinträchtigt werden sollen. Ein Problem bleibt aber allerdings auch mit der neuen Technologie: Große Windparks, egal ob fest installiert oder schwimmend gelagert beeinträchtigen auch weiterhin den Zug der Vögel. Dennoch überwiegen die ökologischen Vorteile dieser Technologie. Wie sich Statoil die Problemlösung vorstellt, erklärt dieses Video:

Daniel Hautmann, ein freier Journalist, der auf Technikthemen spezialisiert ist, sagte laut detektor.fm: „Meiner Meinung nach ist Statoil einer der wenigen Konzerne, der erkannt hat, dass man umdenken muss und damit zeitgleich auch Geld verdienen kann.“ Er ergänzte zu den Chancen, die die neue Technologie bietet: „Das Potential der schwimmenden Windkraftanlagen ist sehr groß, auch wenn die Technologie im Moment noch viel kostet. Das ist vergleichbar mit der Autoindustrie in den 1930er-Jahren.“

Ein ganz großes Problem besteht aber aktuell noch: Die Kosten für die neue Technologie sind bislang höher als bei konventionellen Anlagen. Das ist natürlich noch ein großes Hindernis, wenn Investoren von einer großflächigen Einführung überzeugt werden sollen. Kostet jedes installierte Megawatt bei einem Standard-Offshore-Windrad 2,5 bis 4 Millionen Euro, so muss bei der neuen Technologie bisher noch mit dem doppelten Preis gerechnet werden. Durch die neue Technologie, die die Firma Gicon in Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern der TU Bergakademie Freiberg und der Universität Rostock entwickelt hat, sollen die Kosten dann mit denen bei Anlagen mit fester Gründung vergleichbar sein und teilweise sogar darunterliegen. Denn bei der neuen Technik wird das auf einer Schwimmplattform stehende Windrad mit vielen Seilen mit einer Ankerplatte auf dem Grund verbunden und so stabilisiert.

Eine weitere Besonderheit der Erfindung aus Deutschland ist, dass Windräder verschiedener Hersteller auf der Plattform fixiert werden können. Damit ist man nicht auf einen bestimmten Lieferanten angewiesen und kann flexibel nach Kundenwunsch liefern. Zudem sind Tiefen von bis zu 700 Metern möglich, was einen weiteren Vorteil gegenüber den festen Gründungen darstellt. Frank Adam ergänzte dazu weiter: „Sie brauchen für die festen Gründungen immer ein Errichterschiff. Das ist teuer in der Unterhaltung und zeitintensiv. Bei uns wird komplett an Land produziert und dann vom Hafen zum Einsatzort ausgeschwommen. Dafür braucht man nur drei Schleppboote, die viel kleiner und in den Unterhaltskosten wesentlich günstiger sind.“ In der Nähe der Halbinsel Fischland-Darß soll im Spätsommer 2016 schon eine erste Pilotanlage installiert werden.

Bilder & Video: © BALTIC Taucher, Statoil

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