Stromproduktion: Rolle rückwärts bei den Gaskraftwerken

Gaskraftwerk Hamm_2015_01Zahlreichen Gaskraftwerken, die als Reserve für die Energiewende gedacht waren, wenn der Ökostrom durch Wolken oder Flaute mal nicht so üppig fließt, droht die Schließung. Denn leider sind diese Kraftwerke bislang die Verlierer auf dem Weg hin zu einer umweltfreundlicheren Stromproduktion. Bislang haben die Bundesnetzagentur schon rund 50 Anträge auf vorläufige oder endgültige Stilllegungen von teils hypermodernen Gaskraftwerken erreicht und das obwohl Gaskraftwerke als wichtige Bausteine beim Umbau der Energieversorgung gelten. Droht in Deutschland jetzt also eine Rolle rückwärts bei den Gaskraftwerken?

Bei der Stromproduktion in Deutschland droht jetzt eine Rolle rückwärts bei den Gaskraftwerken, denn bislang sind bei der zuständigen Bundesnetzagentur schon rund 50 Anträge auf vorläufige oder endgültige Stilllegungen eingegangen. Welche Rolle diese Kraftwerke bei der Energieversorgung und für die Energiewende spielen, erklärte Christoph Weber, Professor für Energiewirtschaft der Universität Duisburg-Essen, gegenüber der Zeitung „Welt“: „Sollten im Jahr 2050 die Vorgaben der Bundesregierung für die Energiewende erreicht werden, wird der verbleibende Anteil von 20 Prozent an konventionellem Strom im Wesentlichen durch Gaskraftwerke gedeckt.“

Erdgas ist zum einen im Vergleich zur Stromproduktion aus Kohle doch recht umweltfreundlich, denn bei der der Umwandlung des Gases in Strom werden rund 50 Prozent weniger Kohlendioxid freigesetzt. Zudem wird bei der Stromerzeugung aufgrund des hohen Wasserstoffgehaltes nur sehr wenig Ruß und Rauch erzeugt. Und die unterirdische Lagerung kann in großen Mengen erfolgen und auch der Transport durch Rohre kann über weite Strecken sehr schnell vonstattengehen. Und der Clou dieses Rohstoffes für die Energieerzeugung: Er kann mit der Technologie „Power-to-Gas“ sogar synthetisch erzeugt werden. Dabei können aus überschüssigem Ökostrom, CO2 und Wasser mittels Elektrolyse die beiden Brenngase Wasserstoff und Methan erzeugt werden. Diese können dann in die Erdgasleitungen eingespeist werden und zur umweltfreundlichen Stromproduktion genutzt werden.

Das bislang immer hervorgebrachte Argument, das Gaskraftwerke anders als Atom- und Kohlemeiler, kurzfristig hoch- und wieder heruntergefahren werden können und somit Verbrauchsspitzen ausgleichen können, stimmt natürlich, aber bislang wird davon wohl eher wenig bis kaum Gebrauch gemacht. So haben zum Beispiel die beiden hochmodernen, erst vor fünf Jahren errichteten, Blöcke 4 und 5 im bayrischen Irsching im vergangenen Jahr laut E.on „zu keiner Stunde“ Strom für den Markt produziert. Für das Bereitstellen solcher Ausgleichskapazitäten erhalten die Betreiber zwar Geld vom Staat, aber das reicht eigenem Bekunden nach nur für den Betrieb der Gaskraftwerke aus. Die Kosten für den Bau der Anlagen bleiben demnach aber am Betreiber hängen. Hildegard Müller, die Vorsitzende vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bemängelte: „Geht es politisch so weiter, werden keine neuen Kraftwerke gebaut.“ Ihrer Meinung nach fehlten dafür einfach die finanziellen Anreize. Und damit sich da etwas ändert, ziehen die Betreiber vor Gericht und haben vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf sogar schon einen Sieg erringen können. Dort wurde entschieden, dass die Beschränkung auf einen „bloßen Aufwendungsersatz“ für die Kraftwerksreserve „zu restriktiv“ sei und das die Bundesnetzagentur nun eine „angemessene Vergütung“ bestimmen müsse. Das dürfte sich dann auch wieder in einem höheren Strompreis bei den Verbrauchern widerspiegeln.

Auf die Frage, warum man dann aber moderne Kraftwerke wie die in Irsching überhaupt gebaut hat, wenn sie doch nicht wirtschaftlich zu betreiben sind, entgegnet Professor Weber: „Als man Irsching 4 und 5 plante, herrschten andere Bedingungen.“ Seitdem sind die Preise für Photovoltaik-Module stark gesunken und auch andere Faktoren wie die Wirtschaftskrise haben durch den Rückgang der Wirtschaftsleistung und damit einhergehenden Rückgang des Energiebedarfes eine wichtige Rolle gespielt. Außerdem gab es einen Preisverfall bei den CO2-Zertifikaten. Auch wenn es auf die Versorgungssicherheit keinen großen Einfluss haben wird, wenn einige Gaskraftwerke dicht gemacht werden, so ist es für den Experten dennoch problematisch, dass alle zwar das saubere Erdgas bevorzugen würden, am Ende aber die ineffizienteren und die Umwelt stärker belastenden Kohlekraftwerke am Netz bleiben dürften. Im Vergleich zu diesen Anlagen sind die Gaskraftwerke im Bau zwar recht preiswert, aber der Betrieb und die Wartung erzeugen dann doch recht hohe Kosten, was natürlich ein Nachteil gegenüber den konventionellen Kraftwerken darstellt. Zudem rechnet die Bundesregierung bis zum Jahr 2050 mit einer Reduktion des Gasverbrauchs um ein Viertel.

Bilder: © Dirk Vorderstraße, Flickr

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