Feldheim: Ein 140-Seelen Dorf in Brandenburg sichert die Energiewende ab

Es gibt kleine Akkus und große Batterien – die größte Batterie in Europa mit einer Primärregelleistung von zehn Megawatt steht in Feldheim, einem 140-Seelen-Dorf in Brandenburg. Dieser Energiespeicher soll ein wichtiger Baustein für das Gelingen der Energiewende werden. Dafür gab es auch Unterstützung vom Land Brandenburg, das den Bau großer Batteriekraftwerke mit einer Speicherinitiative vorantrieb. Der größte Batteriespeicher auf unserem Kontinent wurde jetzt in der Bürgerenergie-Gemeinde-Feldheim eröffnet.

Plattes, dünnbesiedeltes Land. Normal würde man meinen, in Feldheim bei Treuenbrietzen sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht, aber hier steht modernste Technik, welche die Energiewende in Deutschland wieder ein Stück mehr absichern soll. In dem 140-Seelen-Dorf in Brandenburg wurde vor kurzem Europas größter Batteriespeicher eingeweiht. Und das dieser moderne Innovationsträger genau hier steht, hat seinen Grund: Bereits seit 2010 versorgt sich die kleine Gemeinde komplett selbst mit Strom, zum Beispiel aus den 43 Windrädern, die rund um das Dorf verteilt sind, und ist damit ein Vorreiter in Sachen Ökostrom und Energiewende. Neben den Windkraftanlagen gehören auch eine Biogasanlage und eine Holzhackschnitzelverbrennungsanlage zum Kraftwerkspark der Energierebellen. Da Einwohner aber überhaupt nur ein Prozent der von diesen Anlagen produzierten Energie selbst verbrauchen können, geben sie den Rest gegen Bezahlung an den allgemeinen Strommarkt weiter.

In die Anlage aus 3360 Lithium-Ionen-Modulen hat unter anderem ein Joint Venture aus dem Windparkplaner Energiequelle und dem Anlagenhersteller Enercon insgesamt rund 13 Millionen investiert. Davon stammen 40 Prozent aus Fördermitteln des Landes Brandenburg und der Europäischen Union. Vier Millionen stammen von Energiequelle und Enercon und die restliche Summe wurde mit Eigenkapital von Investoren finanziert. Gegenüber den Potsdamer Neuesten Nachrichten erklärte René Just von der Energiequelle GmbH: „Die Banken waren ziemlich ablehnend, deshalb ist unser Zeitplan in Verzug geraten.“

Der Grund für diese Zurückhaltung dürfte in der fehlenden Regulierung des Marktes für Stromspeicher in Deutschland liegen. Insgesamt werden in der Bundesrepublik derzeit Speicherkapazitäten von rund 600 Megawatt angeboten und gehandelt, wovon die Feldheimer jetzt schon rund ein Sechzigstel liefern. Sie erhalten, je nach Marktlage, pro Megawatt und Woche zwischen 2.300 und 3.000 Euro. Die starken Schwankungen zeigen schon, dass der Markt noch ziemlich nervös ist und sich die Erlöse schlecht voraussagen lassen.

Den Kern der Anlage in der Brandenburger Provinz bildet die Lithium-Ionen-Batterie mit samt den Reglern und Transformatoren. Die ganze Technik ist in einer 17 mal 30 Meter großen Halle am Ortsrand untergebracht. Just erläuterte weiter: „Technologisch ist die Anlage nicht anders aufgebaut als ein Handy-Akku, nur viel größer. Nach acht Monaten Bauzeit wird die Batterie an den hiesigen Windpark angeschlossen.“ Mit über 10 Megawatt (MW) Leistung und 10 Megawattstunden (MWh) Kapazität überflügelt dieses Projekt nun den bisherigen Spitzenreiter im britischen Leighton Buzzard, der eine Leistung von 6 MW und eine Kapazität von 10 MWh besitzt. Die Energiedichte in Feldheim ist also wesentlich höher. Michael Raschemann, Geschäftsführer vom Projektierer Energiequelle, ergänzte dazu: „Der Systemwirkungsgrad liegt bei 85 Prozent.“

Damit es bei so viel Power auch nicht zu heiß wird, halten 35 Klimaanlagen an der Rückseite der Halle die Temperatur für die Akkus konstant bei 23 Grad Celsius. Und der Chef der Energiequelle GmbH träumt schon von weiteren Standorten. Im Zusammenhang mit dem Bau des in Planung befindlichen Windparks Feldheim-Nord könnte ein weiterer Speicher hinzukommen. „Er könnte perspektivisch dazu beitragen, auch weitere Teile der Stadt Treuenbrietzen mit dem hier vor Ort erzeugten Strom zu versorgen“, wie Raschemann ankündigte. Und Just ergänzte: „Der Standort des Speichers im Netz ist dabei fast beliebig.“

Bilder: © Energiequelle GmbH

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