50Hertz: Zu schwaches Netz beeinträchtigt Transport von Ökostrom

Die Menge an produzierten Ökostrom steigt kontinuierlich. Beim Netzbetreiber 50Hertz, der hauptsächlich im Norden und Osten Deutschlands Leitungen betreibt, kommt man damit schon langsam an Grenzen, denn ein zu schwaches Netz beeinträchtigt den Transport vom Strom aus Erneuerbaren Energien und verursacht somit Kosten, die sich wohl auch langfristig in einer hohen Ökostromumlage niederschlagen werden. Aber worin besteht derzeit überhaupt das größte Problem des Stromnetzbetreibers und welche Auswirkungen hat das für die Stromkunden?

Die derzeit größte Stromexportregion des Landes befindet sich im Osten. Dort stammen bereits 49,2 % des erzeugten Stroms aus regenerativen Energiequellen. Den Transport von Ökostrom und auch von konventionell erzeugtem Strom übernimmt in den ostdeutschen Bundesländern sowie in Hamburg der Netzbetreiber 50Hertz. Die Weiterleitung geschieht mittels großer Fernleitungsnetze, die allerdings für die großen Strommengen viel zu schwach sind. Denn während die Energiewende mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien stetig voranschreitet, lahmt der Netzausbau gewaltig.

Da half es auch nicht viel, dass im vergangenen Jahr mit 900 Millionen Euro so viel Geld wie noch nie von diesem Netzbetreiber in neue und leistungsfähigere Leitungen investiert wurde. Die großen Stromautobahnen sind dem steigenden Angebot an Sonnen- und Windstrom einfach nicht mehr gewachsen. Zu Spitzenzeiten kann nicht genügend Strom aus Erneuerbaren von den Produktionsorten im Norden und Osten zu den Verbrauchsorten im Süden transportiert werden und so wird das Leitungsnetz von 50Hertz zum Flaschenhals für den Ökostrom.

Dadurch fielen dann 2015 sogenannte Engpass-Managementkosten in Höhe von 450 Millionen Euro an. Ein Negativ-Rekord, wie Boris Schucht, Geschäftsführer von 50 Hertz, am heutigen Montag bei der Vorstellung der Bilanz für 2015 in der Verwaltungszentrale in Berlin-Treptow verkündete. Er sagte: „Diese Kosten entstehen dadurch, dass nicht genügend Netze da sind. Man muss effiziente Kraftwerke erneuerbarer Energien im Norden runter regulieren und teure Kraftwerke im Süden hochfahren. So bleiben diese Differenzkosten leider bestehen.“ Seine Forderung deshalb: Genau diese Kosten durch einen konsequenten Netzausbau zu verringern.

Ostdeutschland ist wohl Deutschland- und sogar Europaweit die Region mit der höchsten Stromexportrate. Und 49,2 % des von hier exportierten Stroms stammen eben schon aus erneuerbaren Energiequellen. Zur erwarteten Entwicklung 2016 sagte Schucht: „Einen Zubau von erneuerbaren Energien von 2.000 Megawatt im Jahr erwarten wir auch sehr stabil in diesem Jahr, und damit werden wir deutlich über die 50 Prozent kommen.“ Er sagte aber auch, dass man die Braunkohle als Stromlieferant noch einige Zeit brauchen werde. „Ich glaube daran führt im Sinne der Versorgungsicherheit von Deutschland sicher noch einige Zeit kein Weg vorbei.“ Aber langfristig habe die Braunkohleverstromung natürlich ausgespielt.

Der Ausbau der Stromnetze ist teuer und so dürfte die im Jahr 2016 auf den Höchststand von 6,354 Cent pro Kilowattstunde gestiegene EEG-Umlage auch in Zukunft auf diesem hohen Niveau verbleiben. Schucht sagte dazu: „Ich würde davon ausgehen, dass wir eher eine leicht steigende Seitwärtsbewegung sehen.“ Gleichzeitig mahnte er eine gleichmäßige Verteilung der Kosten an: „Die Kosten für die Energiewende müssen generell fair verteilt werden. Dies gilt auch für die unterschiedlich hohen Netzentgelte, die weiter auseinander zu driften drohen und mit ursächlich sind für die regionalen Strompreisdifferenzen.“ Damit könnte verhindert werden, dass die ohnehin schon hohen Strompreise im Osten noch weiter steigen würden.

Bilder: © Maxwell Hamilton, Flickr

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