Strompreise: Stromkosten belasten die Verbraucher so stark wie nie

Noch im letzten Jahr konnten die Stromkunden hierzulande auf sinkende Strompreise hoffen oder zumindest darauf, dass diese nicht mehr weiter so stark ansteigen würden, aber in der Realität sieht es mittlerweile ganz anders aus. Laut der Zeitschrift die Welt, die eine Analyse eines Vergleichsportales zitiert, sieht es demnach derzeit so aus, als würden die Stromkosten die Verbraucher so stark wie nie belasten. Die Stromkunden werden aktuell sogar noch stärker belastet als die Autofahrer.

Ein Jahr lang gab es für die Kunden und die Strompreise zumindest so etwas wie einen kleinen Hoffnungsschimmer, aber dieser entpuppte sich nur als kleines Leuchtfeuer, denn die Stromkosten belasten die Verbraucher so stark wie nie. Im April hat das Preisniveau der Grundversorgung in Deutschland ein neues Rekordhoch erreicht. So zahlen Kunden, die ihren Strom im Basistarif von ihrem örtlichen Stromanbieter (Stadtwerke u.ä.) beziehen für eine Kilowattstunde durchschnittlich 30,27 Cent. Im Vorjahr lag dieser Wert noch deutlich unter der 30-Cent-Marke.

Das bedeutet, dass eine vierköpfige Familie in Deutschland mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 4.000 kWh insgesamt 1.211 Euro für die Stromkosten pro Jahr ausgibt. Dieser Wert lag vor einem Jahr noch bei unter 1.200 Euro, vor fünf Jahren sogar noch bei unter 1.000 Euro. Dass es jetzt erst im April zu diesem Rekordanstieg kam, und nicht schon im Januar, wo die meisten Anbieter schon ihre Strompreise erhöhen, liegt daran, dass die großen Stromkonzerne Vattenfall und E.on erst vor Kurzem die Tarife angehoben haben.

Aber dennoch sind die Deutschen wohl ein klein wenig zu bequem und bleiben bei ihrem Grundversorger. Jeder dritte Bundesbürger bezieht den Strom noch im Standardtarif vom örtlichen Anbieter. 43 Prozent der Stromkunden sind allerdings schon von der Grundversorgung in einen anderen Tarif gewechselt und jeder Vierte hat sich einen Anbieter auf dem freien Markt gesucht. Und natürlich steigen auch dort die Preise, aber mit einem Wechsel zum günstigsten Anbieter zahlt die Musterfamilie immerhin für ihre 4.000 kWh/Jahr nur 769 Euro, was einem Zuwachs gegenüber 2015 von 17 Euro entspricht.

Die derzeit größten Preistreiber sind die Gebühren und Netzentgelte, also die vom Staat verhängten Kostenanteile. Neben der kostspieligen Erneuerbare-Energien-Umlage (EEG-Umlage) sind in diesem Jahr auch gleich noch die Umlage für Kraft-Wärme-Kopplung, die Umlage für die Entlastung der Industriekunden sowie die Haftungsumlage für Offshore-Anlagen angehoben worden. Und somit zahlen die Verbraucher für die Energiewende gleich mehrfach: 0,4 Cent pro Kilowattstunde werden zum Beispiel dafür fällig, dass die Großkunden Strom weiter günstig beziehen können. Weil die großen Offshore-Windparks nicht rechtzeitig fertig werden, kommen noch einmal 0,04 Cent hinzu und die Subventionierung von Wind-, Solar- und anderen erneuerbaren Energien schlägt sich sogar mit 6,4 Cent auf der Stromrechnung nieder. Und auch die Netzentgelte steigen, weil das Netz für die neuen Anforderungen teuer umgebaut werden muss.

Nach den Berechnungen eines Verbraucherportals macht der Anteil der reinen Rohstoffkosten heute lediglich 27 Prozent des Strompreises aus. Umgerechnet sind das also lediglich 6 Cent und dabei sind die Beschaffungs- und Erstellungspreise für die Versorger in den vergangenen Jahren sogar deutlich gefallen. Dieser Wert lag 2009 noch bei rund 8 Cent je Kilowattstunde. Zum Vergleich: Für den Autofahrer machen die reinen Öl- und Raffineriekosten rund 37 Prozent aus, so dass sich daraus eine höhere Last der Stromkunden unter den Steuern und Abgaben ergibt, als das für den Autofahrer der Fall ist.

Bilder: © Lablascovegmenu, Flickr

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